Diamanten Kunst Wandbild Büffelleder

Diamantkunst vs Müllkunst

Wie ändern sich die Zeiten. Im Jahr 2005 habe ich mich noch mit solchen Arbeiten beschäftigt, wie man möglichst hochpreisige und hochwertige Kunst erstellt. Hier habe ich zum Beispiel ein kleines Wandbild im Format von 53×53 cm entworfen, welches im Zentrum eine Fassung mit 100 0,01-karätigen Diamanten trägt. Also insgesamt 1 karat. Umgeben ist das Schmuckstück von mit weißem und braunen Büffelleder bespannten Holzplatten. Eingelassen wurde das Arrangement in einen Schattenfugenrahmen aus Aluminium. Irgendwie war ich wohl damals davon überzeugt, dass das Kunst ist. Im kulturellen Sinne ist es schon Kunst, denn das Objekt spiegelt schon die Dekadenz unserer Zeit wider, ist ein Produkt menschlichen Schaffens und Ausdruck von Kreativität. Mehr aber auch nicht. Ich bin nicht sonderlich stolz auf das Objekt, denn es zeigt, wie ich mich damals einem Markt anbiedern wollte, der mich heute abstößt. Innerlich muss ich das schon irgendwie gespürt haben damals, dass diese Art von Kunst nicht richtig ist, denn ich habe sie nie zum Verkauf angeboten und so dümpelte dieses mit hochwertigsten Materialien verarbeitete Wandbild ganze 10 Jahre in meinem Atelier vor sich hin.

Da ich mein ganzes Leben zur Zeit umbaue, ist es nun auch an der Zeit für mich, mich von diesem Produkt meines Schaffens zu trennen. Das Objekt geht die nächsten Tage in die Versteigerung auf catawiki.de. Ich bin einmal gespannt, wo der Preis hingeht, allein für das Einfassen der 100 kleinen Diamanten habe ich damals über 1000,00 EUR an einen Juwelier zahlen müssen, da ich das selbst nicht konnte. Die Kosten werde ich wohl nicht wieder reinspielen, aber das ist mir auch fast egal.

Im krassen Gegensatz dazu, steht ein Produkt meines Schaffens aus dem Hier und Jetzt. Kontraststärker kann es gar nicht sein. Denn bei dem nachfolgenden Gemälde handelt es sich um verarbeiten Müll auf Leinwand. Heute wurmt es mich, dass wir so verschwenderisch mit unseren Ressourcen umgehen, dass wir Kriege anzetteln, um immer mehr dieser Ressourcen für unser System zu vereinnahmen. Und ich ärgere mich, dass ich durch meine Existenz immer noch Teil dieses Problems bin, indem ich als Individuum hier uns jetzt existiere und mich vom Konsum nicht ausschließen kann. Und so kam mir der Gedanke, den Müll, der in meinem Atelier anfällt noch irgendwie zu verarbeiten, um ihn einer nützlichen Sache – einem ästhetischen Zweck – zuzuführen und weniger wertlos zu machen. Hier in diesem Fall habe ich einen winzigen Teil der in Unmengen anfallenden Papier- und Pappereste aus meinem Atelier als Collage auf Leinwand gebracht und bemalt. Das gibt eine schöne Struktur und ich finde es extrem sinnvoll, scheinbare Abfälle in meinem Arbeiten zu verarbeiten. Da ich auch noch jede Menge Acrylglas in meiner Garage gelagert habe, will ich das Thema in Form einer Müll-Wand-Skulptur weiter verfolgen und Alltagsmüll aus meinem Atelier in Harz gegossen hinter Acrylglas als Wandskulptur anfertigen. Ich spare aber noch auf das Harz :-) Vielleicht bringt mich ja der Erlös des Diamant-Kunstwerkes weiter bei diesem Projekt voran.

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