Gebrauchskunst – Kunst mit Nutzen?

Gebrauchskunst – was soll das sein?

Gebrauchskunst – ja das klingt sehr abschätzig, aber ist es das auch? Kunst für einen speziellen Zweck zu gebrauchen, hier für die Verschönerung der eigenen Einrichtung, mag sich dem elitären Kunstsammler als minderwertige Form der künstlerische Gestaltung darstellen. Aber ist/ soll Kunst dafür da sein, in Sammlerdepots oder safes – einzig als lukrativer Anlagezweck von Kapital – ein einsames Dasein zu fristen?

Ich bin da geteilter Meinung. Natürlich gibt es diese besonders kulturell wertvollen Kunstobjekte, die einen hohen Sammlerwert haben und auch unbedingt haben sollen. Aber das, was sich teilweise an den Kunstmärkten abspielt, hat mit der realen Beurteilung von Werten meiner Meinung nach nichts mehr zu tun. Der Kunstmarkt ist ebenso künstlich aufgebläht, wie es die Aktienmärkte sind. Unbegrenzte Geldschöpfung und die zunehmende Umverteilung von Kapital von fleißig zu reich, führen zu dieser – aus meiner Sicht – krankhaften Fehlentwicklung.

Wir haben es bei dem Kunstmarkt also mit zwei Märkten zu tun. Einmal den Markt, der elitäre Bedürfnisse und den Wunsch nach Distinktion befriedigt. Und auf der anderen Seite einen Markt für „minderwertige“ Gebrauchskunst, der auf die Bedürfnisse der 99% zugeschnitten ist. In letzterem findet eher ein Preiskampf nach unten statt, da die Einkommensumverteilung von unten nach oben eher zunimmt als abnimmt.

"color chaos" 70x94 cm

„color chaos“ 70×94 cm

Doch ist die in der heutigen Zeit entstehende „Gebrauchskunst“ somit kein wirkliches Sammlerobjekt? Ich sage ganz klar „NEIN“. Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens reiht sich die heutige Form von Gebrauchskunst – oder dekorativer Kunst – in eine Jahrhunderte alte Tradition von der Herstellung bürgerlicher Kunst ein. Diese Form der Kunst gab es schon immer und wird es schon immer geben. Man denke hierbei nur an die Kunstwerkstätten eines Albrecht Dürers, der Kunsthandwerker und -gesellen in seinen Werkstätten beschäftigte, um Reproduktionen, Stiche und Originalgemälde unter das einfache Volk zu bringen. Und wenn man so will, waren es gerade die alten Meister, wie Michelangelo, die nichts anderes als Gebrauchskunst nach den Wünschen der Auftraggeber herstellten. Oft beschäftigten die alten Meister einen ganzen Stab an Künstler, die Vorzeichnungen, Untermalungen, Aufrisse und vieles mehr für die Meister anfertigten. Heute wäre das unvorstellbar: gilt doch das Kunstwerk heute mehr als Produkt einer fast göttlichen Inspiration des Künstlers und weniger als handwerkliches Produkt.

"floral art" 150x150 cm Triptychon

„floral art“ 150×150 cm Triptychon

Die heutige Form der „Gebrauchskunst“ oder des Kunsthandwerkes orientiert sich dabei natürlich an den derzeitig herrschenden Bedürfnissen der Verschönerung des eigenen Heimes. Und damit ist die abstrakte Kunst wohl eines der hauptsächlich bevorzugten Kunststile der zeitgenössischen Kunst. Meiner Meinung nach sind sie damit genauso Ausdruck des aktuellen Zeitgeschehens, Abbild unserer Epoche, wie jedes andere Kunstwerk, jede andere kulturelle Kreation menschlicher artefakte, auch. Wahrscheinlich wird man dies aber erst richtig verstehen, wenn diese Epoche des ungezügelten Kapitalismus, der Verherrlichung des eigenen Selbst in unserer ICH-Gesellschaft – eines Tages zu Ende geht. Und das wird eines Tages der Fall sein. Langfristig gesehen kann ein dekoratives Kunstwerk also doch auch ein Anlageobjekt sein.