Massenverblödung

„Massenverblödung“

„Massenverblödung“
Öl auf Leinwand
2,00 x 1,50 Meter

Inwiefern unterscheiden sich „Die Simpsons“ noch vom alltäglichen Politik-Klamauk, der uns durch den Äther der Massenmedien dargereicht wird? Im Wesentlichen nur noch in einem Punkt. „Die Simpsons“, als die bis dato erfolgreichste Zeichentrickserie aller Zeiten, erheben nicht den Anspruch auf neutrale Berichterstattung, sondern bieten sich als das an, was sie tatsächlich sind: als pure Unterhaltung.

Beim täglichen Nachrichtenangebot verwischen die Grenzen zwischen Information und Unterhaltung allerdings zusehends. Schick verpackt in seriösem Gewand mit Schlips, Kragen und Gelhaarschnitt lassen wir uns von den durchgestylten Moderatoren jeden Scheiß in mundgerechten Portionen zum Diner servieren. Und völlig unreflektiert, passiv vor der Glotze dahin vegetierend, nehmen wir diesen Informationsbrei dankbar in uns auf, immer bereit die vorverdauten Wissenshappen bei der einen oder anderen Gelegenheit wieder vorzuwürgen, um in gesellschaftlicher Runde mit einem Bonmot oder einer überzeugend wirkenden Argumentationskette zu glänzen. Allzu gern sehen wir uns selbst als strahlende Sieger aus einem politischen oder gesellschaftlichen Disput herausgehen, kündet doch unsere Schlagfertigkeit, unser Detailwissen unsere umfangreiche Weltenschau von der ungeheuren Intelligenz des eignen Selbst.

Nur verkennen wir leider, dass wir mitnichten die Ergebnisse unserer eigenen geistigen Denkleistung zum Besten geben; nicht im mindesten sind wir aus teilweise neurologisch-physiologischen – meist eher aber aus zeitlichen – Gründen dazu in der Lage die Fülle der auf uns einprallenden Informationen kritisch zu hinterfragen und nach objektiven Standards hin zu überprüfen, soweit dies überhaupt möglich wäre.

Wir sind in gewisser Weise auf die Aufbereitung von Informationen angewiesen. Das ist an sich auch nichts Schlechtes, soll es uns doch helfen in aller Kürze einen guten Überblick über das aktuelle Weltgeschehen vermittelt zu bekommen. Jedoch verdient es durchaus einer kritischen Betrachtung, WIE uns in der heutigen Zeit Information vermittelt wird, WER sie vermittelt, WEM diese Nachrichten nützlich sein könnten und WEM sie schaden könnten und WELCHE Informationen uns gezielt VORENTHALTEN werden. Und hier sind wir wieder bei der Show angekommen.

Ein adrett gekleideter, smart lächelnder Nachrichtenmoderator überzeugt uns von Anfang an mehr als ein unrasierter, Rastalocken tragender Lebemann im Hippiegewand – ganz gleich, welche Informationen uns von beiden zur inneren geistigen Überprüfung vorgelegt werden. Ersterer gewinnt von Anfang an einen Vertrauensvorschuss durch uns. Ein weiterer Punkt der Show ist natürlich die möglichst umfangreiche Verpackung der Information in fachwortgetränkte Wortkleider; unterlegt mit einer – jeglichen Zweifel vernichtenden – Unmenge an Zahlenmaterial, Statistiken und Studien. Ach ja, und eines gehört natürlich zu einer perfekten Nachrichtenshow auch noch dazu: die Untermauerung der Information durch die Meinung von richtigen „Experten“. Irgendwie gibt es mittlerweile für Alles und jeden Scheiß einen ausgewiesenen Experten: Hygieneexperten, Wirtschaftsexperten, Politikexperten, Sexexperten, Frauenexperten und Experten über die Experten. Naja, wenn Experten das sagen, dann muss das doch stimmen, nicht wahr?

Wenn Sie also in Zukunft Nachrichten schauen, versuchen Sie einmal das Ihnen dargebotene auf folgende Aspekte hin zu analysieren. Versuchen Sie die psychologisch-suggestiven Tricks ausfindig zu machen: Sitzt der Nachrichtensprecher höher als sein eingeblendetes Gegenüber? Welches Bildmaterial wird im Zusammenhang mit einer Nachricht verwendet? Würde der Austausch der Bild- und Videoinformation den Inhalt der Information wesentlich verändern? Stehen die verwendeten Bildinformationen überhaupt in einem tatsächlichen Zusammenhang mit der eigentlichen Information? In welcher Reihenfolge werden Nachrichten arrangiert und warum? Haben Sie im Internet von eigentlich wirklich wichtigen Vorkommnissen gelesen, die einer Erwähnung in der Tagesschau wert wären, die aber leider nicht thematisiert werden? Wie werden Talkrunden organisiert? Wie ist die Zusammenstellung der eingeladenen Gäste? Handelt es sich um eine ausgewogene Repräsentanz unterschiedlicher Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Meinungen? Welche Personen lässt der Moderator ausreden, welche unterbricht er ständig? Ja, welche versucht er sogar selbst ins Lächerliche zu ziehen? Versuchen Sie zu beurteilen, an welchen Stellen die Moderatoren die Grenze der journalistischen Neutralität bewusst übertreten haben und anfangen, den Zuschauern MEINUNGEN und nicht mehr nur INFORMATIONEN zu übermitteln. Wenn Sie dies eine Weile lang sehr aufmersksam tun und mit wachen Augen und Ohren durch die Medienwelt wandern, werden Sie bald überall nur noch Manipulation entdecken. Die größte Show der Menschheitsgeschichte – erfolgreicher als „Die Simpsons“!

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